Parcourtagebuch IV - Römerhöhlenturnier Leibnitz-Wagna

Parcourtagebuch IV - Römerhöhlenturnier Leibnitz-Wagna

Beitragvon feh » Mi Jan 27, 2010 4:19 pm

Seit 11 Jahren wird vom BSC Leibnitz das berühmt-berüchtigte 2-tägige Römerhöhlenturnier veranstaltet. Das Turnier zeichnet sich dadurch aus, dass der Parcour auch durch den alten Römersteinbruch in Wagna1 verläuft.
Das Turnier ist sehr begehrt, denn kaum erfolgte die Ausschreibung im Herbst 2009, wars auch schon ausgebucht. 245 Schützen waren ursprünglich angemeldet, 196 haben dann tatsächlich teilgenommen!!! Es wurde auf 36 Scheiben geschossen und es galten die Regeln der IFAA, erster Tag Dreipfeilwertung, am zweiten Einpfeilwertung.

Ich habe das Turnier gemeinsam mit den Merry Longbow Falcons of Arcus am 9. und 10. Jänner 2010 besucht und wir haben auch recht erfolgreich abgeschnitten (aber das kommt später…).
Um 08:00 früh treffen wir uns beim Gasthof Sulmwirt (Aflenzerstraße 1, 8435 Wagna) zur Anmeldung, die Startgebühr beträgt 22€ allg. Kl./11€ Jugend. Anschließend „Ring frei“ für eine gemeinsame Gruppeneinteilung, wir sind leider schon etwas spät dran, daher werden Felix (Falcon, 15 Jahre, toller Schütze) und ich gemeinsam mit 5 einheimischen Lang- und PrimbogenschützInnen in eine 7er Gruppe gesteckt.

Der Parcour beginnt am linken Ufer der Sulm gleich neben dem Gasthaus. Er verläuft entlang des Ufers, quert dann die Sulm und zieht einen kommoden Waldweg hinauf. Die Targets sind abwechslungsreich und durchaus anspruchsvoll gestellt. Die Schussentfernungen sind gut gemischt, aber nicht zu schwierig. Da es die ganze Nacht geschneit hat wandern wir durch eine nahezu unberührte Winterlandschaft. Unglaublich schön! Ganz still, nur hie und da ein leises Knistern der gefrorenen Äste. Nach einem kurzen Weg entlang des Waldrandes und einer Bergabstrecke betritt man den Römersteinbruch durch ein riesiges Tor.

[…]
die Felsengründe waren sein,
Mit Gold verziert und Edelstein
Und silbern köstlich ausgelegt,
Das Tor von Runenkraft geprägt,
Und tausend Lampen aus Kristall
Verströmten Licht allüberall,
Ein helleres fließt nicht in die Welt
Von Sonne, Mond und Sternenzelt.
Der Hammer auf den Amboss hieb,
Der Stichel grub, der Meißel trieb,
Geschärfte Schwerterklinge sang,
Der Reichtum wuchs bei jedem Gang.

[…]
Tief unter Tage, nimmermüd,
Sang Durins Volk so manches Lied
Zu Harfen, Flöten ohne Zahl,
Am Tore grüßt Trompetenschall.
[…]2


Dunkelheit. Dumpfe Stimmen hallen von Fern aus den verzweigten Gängen der Höhle. Das Auge braucht einige Minuten, um sich an das Dämmerlicht zu gewöhnen. Somit sollte man nicht sofort mit dem Schiessen beginnen. Wir tuns trotzdem und es gelingt ganz gut. Es sind nur die 3D-Scheiben beleuchtet. Dadurch bilden sich bizarre Licht- und Schattenornamente um die Ziele, die den Schützen beim Einschätzen der Entfernungen leicht täuschen können.
In der Höhle befinden sich ca. 15 Scheiben, die in einem Rundparcour ausgestellt sind. Im Zentrum der Höhle trifft man auf eine gigantische Labstation, die lukullische Genüsse bietet, die ich aber lieber auslasse. Als wir die Höhle wieder verlassen schneit es dicke Flocken und der Schnee macht alles wieder ganz still. Wir wandern langsam weiter und nähern uns dem Startpunkt. Hier befindet sich das 2. Highlight des Turniers, der sogenannte Sulmtaler-Schuß: Man muss quer über den Fluß bergauf einen ca. 60m entfernten kapitalen 3D-Hirsch treffen. Was mir leider nicht gelingt. So viel mir aber kundgetan wurde, hat der uns wohlbekannte Günther Mayr ihn mit dem Langbogen sogar mit dem ersten Schuss „gekillt“ und zwar in den 11er!
Der erste Turniertag ist sehr erfolgreich verlaufen, ich war am ersten Platz!

Am zweiten Turniertag war ich schon etwas erschöpft und die Waldwege erschienen mir steiler und matschiger als am Vortag. Das schießen war anstrengender und ich hab diesmal auch weniger getroffen. Von 10 Schützinnen bin ich trotzdem noch 3. geworden, nach unserer Ines und der sehr erfahrenen Schützin und Weltmeisterin Andrea Wallensteiner. Ich geniesse die edle Gesellschaft und bin froh, dass Arduinna mir doch noch wohl geneigt war und freu mich über die schöne Trophäe aus Sandstein.

Eine weitere große Herausforderung stellte meine Gruppe dar, die eine etwas eigentümliche Auffassung von Turnierregeln hatte. Da hätts so einigen eingefleischten und gestrengen Turnierschützen nicht nur die Kopfhaare aufgestellt, z.B. Nachschiessen, weil man den schiachen Pfeil ausbessern muss. Weiterschiessen, während ein anderer gerade seinen turniermäßigen Schuss macht. Witze reißen über den Schützen, während er an der Schusslinie steht. Ihn direkt ansprechen und ins Gespräch verwickeln. Treffer anderer runtermachen. Aber auch übermäßig loben. Zu schießen beginnen, während die Gruppe noch nicht vollständig ist, und das schlimmste überhaupt: alle Pfeile ziehen, bevor noch gescored wurde. Somit bin ich (sonst etwas faul unterwegs) immer vorausgestürmt, um noch meinen Pfeil am Ziel auszumachen, bevor er hurtigst herausgezogen wird. Mit dem Scoren wurde es nämlich auch nicht so genau genommen. Unserem Felix wurden gleich 2 Ringe aberkannt, weil der Schreiber gerade keine „Lust“ hatte, ihm schon wieder einen 18er einzutragen. Skandalös! Aber den Felix kann das nicht erschüttern, er hat sich trotzdem seine GOLD - Medaille verdient!

Siehe : http://www.bsc-leibnitz.at
http://www.sulmwirt.at

1 Geschichtliches:
Die Südsteiermark gehörte bis 15 n. Chr. zum keltischen Reich Noricum, das sich lange seine Unabhängigkeit bewahrt. Wirtschaftliche Bedeutung lag insbesondere in der hier durchlaufenden Bernsteinstraße.
Bereits in der Antike entstand im südsteirischen Sulmtal die römische Siedlung Flavia Solva (Flavia von Flavius und Solva für Sulm). Um 70 nach Chr. erhob der römische Kaiser Titus dieses Zentrum römischen Lebens in der Südsteiermark zur Stadt.
An der Stelle der antiken Siedlung steht heute die Marktgemeinde Wagna. Am Rand von Wagna wurden einige Fundamente freigelegt, die neben Bodenstücken (in einer Ausstellung) besichtigt werden können. Im Jahr 2004 fand rund um diese Ausgrabungsstätten die steirische Landesausstellung statt.

(aus: http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdsteiermark und
http://de.wikipedia.org/wiki/Flavia_Solva)

2 J.R.R. Tolkien, 1999, Der Herr der Ringe. Deutsche Ausgabe; Cotta’sche Buchhandlung, Stuttgart 2000. Erster Teil: Die Gefährten, Zweites Buch: Viertes Kapitel: Auf dunklen Strassen, S. 343.
Zuletzt geändert von feh am Mi Jan 27, 2010 11:05 pm, insgesamt 2-mal geändert.
Gegrüßt sei Arduinna!

feh




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Re: Parcourtagebuch IV - Römerhöhlenturnier Leibnitz-Wagna

Beitragvon Kurjina » Mi Jan 27, 2010 8:55 pm

Dein Tagebucheintrag ist wie immer ein Festmahl für die Augen!

Weiter so, liebste Feh!
Arduinna zum Gruße,
Kurjina

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